Carex pseudobrizoides (Steckbrief Saatgutsammlung)

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Kennbild Leben Natur Vielfalt – Das Bundesprogramm (BMUV)

Steckbrief Saatgutsammlung: Carex pseudobrizoides Clavaud – Reichenbach-Segge (Cyperaceae)

Weitere Angaben aus Abfragen der Roten Listen (BfN-Prüflisten) …

Angaben zum Artnamen Carex pseudobrizoides Clavaud (Abfragezeit: 21. Januar 2026, 20.43 Uhr):
  • anerkannte Namen: Carex pseudobrizoides Clavaud[1]; Carex pseudobrizoides[2]; Carex pseudobrizoides Clavaud[3];
  • Synonyme: (derzeit ohne Eintragungen)
Biologie und Ökologie
Gefährdung Verantwortung Verbreitung in Deutschland
gefährdet (Ludwig & Schnittler 1996) besonders hohe Verantwortlichkeit (Ludwig et al. 2007) SN, ST, BB, NW, NI, MV, SH (Jäger 2011)
Gefährdungsursachen Standort Beschreibung
Aufforstung von Binnendünen (Floraweb 2014) trockene, lichte Laubmischwälder, Kiefernforste und ihre Ränder, wechselfrische bis -feuchte, sandige Ruderalstellen (Jäger 2011); besonders im Breslau-Magdeburger Urstromtal wo die Vorkommen beider Elternarten (Carex arenaria & C. brizoides) aufeinander treffen (Reimers 1940, Klemm 1989). Blütenstand 3–5 cm lang mit 5–12(-15) zum Teil gekrümmten Ähren, dies reif strohfarben bis hellbraun oder gelblichgrün, Schläuche lanzettlich, Stängel nur bei Schattenformen niederliegend, Blätter 2–3 mm breit, Ausläufer 1–2 mm dick (Schultze-Motel 1980); Schläuche am Rand mit schmalem Flügelsaum von unterhalb der Mitte bis zur Spitze (Kiffe et al. 1992).
Lebensform Lebensdauer Mykorrhizierung
Hemikryptophyt, Geophyt (Jäger 2011) ausdauernde Art unbekannt; wohl keine (Harley & Harley 1987*); C. arenaria mit arbuskulärer Mykorrhiza (Wang & Qui 2006)
Blütezeit Bestäubung Kompatibilität
April–Juni (Schultze-Motel 1980) Wind (Floraweb 2014) selbstkompatibel (Biolflor 2014)
Fruchtstände / Früchte / Sammlung
Frucht und Samen Frucht-/ Samenanzahl / Fruchtstand Samenreife
Schläuche lanzettlich, 5 mm lang, 1–1,5 mm breit, ab unter der Mitte bis zur Spitze schmal geflügelt (Schultze-Motel 1980, Kiffe et al. 1992) Anzahl Ährchen / Infloreszenz: 5–12 (Oberdorfer 1990), 6–9- (Culot & De Langhe 1944), 5–15 (Kiffe et al. 1992) Mitte–Ende Juli. Bis September sind die meisten Schläuche ausgefallen
Tausendkorngewicht Keimung Keimungsdauer
0,7–0,8 g (WIPs-De) unproblematisch; bis 80 % bei 14 h 20 °/8 h 14 °C (WIPs-De) innerhalb von 3 Wochen, verzögert über mehrere Wochen (WIPs-De)
Dormanz Fortpflanzung / Vermehrung Ausbreitung
unbekannt; dauerhafte Samenbank bei der nah verwandten Art C. arenaria (Thompson et al. 1997) Generative, guter Samenansatz; vegetativ durch Rhizome Ausbreitung der Schläuche wahrscheinlich v.a. im Nahbereich; da Früchte ohne deutliche Anpassungen an Tier- oder Windausbreitung. Inter optimalen Bedingungen vegetative Ausbildung großer Reinbestände
Saatgutsammlung Samenlagerung Sonstiges
Sammlung trockener Schläuche; ggf. durch Öffnen der Schläuche prüfen, ob die Samen dunkel und fest sind. Auch wenigblütige Ährchen berücksichtigen. Für die Erfassung möglichst verschiedener Individuen aufgrund starken klonalen Wachstums der Art Sammlung von mind. 5Fruchtständen über die gesamte Fläche, v.a. in flächigen Beständen Abgrenzung von einzelnen Individuen nicht möglich. Fruchtstände mit der Schere abschneiden, Sammlung erfolgt in Papiertüten. Nach Ernte Fruchtstände trocken und luftig auslegen. Weitere Informationen s. ENSCONET (2009a), Zippel & Stevens (2009) Trocken geerntete Ährchen bis zur Aufbereitung der Samen trocken und kühl 15 % rel. Luftfeuchte, 15 °C) lagern, nicht vollständig ausgereifte Schläuche bei Raumtemperatur nachreifen lassen. Samen austrocknungsreistent (orthodox) (WIPs-De); unproblematische Langzeitlagerung mit Silikagel bei −24 °C (s. ENSCONET 2009b) Wahrscheinlich hybridogene Art aus Carex arenaria × brizoides (Reimers 1940); die ostdeutschen Stromtalvorkommen repräsentieren das Arealzentrum der Art (Floraweb 2014). Synonym C. reichenbachii E. Bonnet
* Angabe bezieht sich auf die Gattung;
Artabgrenzung
Abgrenzung von Schattenformen der nahverwandten Sippen C. arenaria und C. ligerica zuweilen schwierig, Auffällig bei C. pseudobrizoides die z.T. bogenförmig gekrümmten Ährchen mit stets strohfarben-bleichen Spelzen, C. arenaria und C. ligerica gerade Ährchen mit hellbraunen bzw. kastanienbraun-glänzenden Spelzen, Schläuche von C. arenaria breiter geflügelt, die von C. ligerica mit meist 3,5–4 mm kürzer. C. arenaria und C. ligerica bilden nicht derart dichte Rasen, die flachen, 2–3 mm breiten Blätter von C. pseudobrizoides schlaff überhängend. Dichte bis sehr dichte Bestände bildend, dadurch Ähnlichkeit mit C. brizoides, vor und zur Blütezeit schwierig zu unterscheiden (Kiffe et al. 1992, WIPs-De), C. pseudobrizoides tendeziell in trockeneren Habitaten als C. brizoides (WIPs-De)
Lebensraum Habitus
Rasen-Lebensraum von Carex pseudobrizoides
Habitus von Carex pseudobrizoides
Fruchtstand Frucht
Fruchtstand von Carex pseudobrizoides
Frucht von Carex pseudobrizoides
Zitiervorschlag: Zippel E., Lauterbach D., Weißbach S., Burkart M., Plank A. (2024) Steckbrief Carex pseudobrizoides; erstellt am 19.12.2017, zuletzt bearbeitet 07.11.2024. – Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wildpflanzen in besonderer Verantwortung Deutschlands (WIPs-De), wildpflanzenschutz.de, https://wiki.bgbm.org/wips-daten/index.php/Carex_pseudobrizoides_(Steckbrief_Saatgutsammlung).
Literatur

Biolflor (2014) Biolflor, Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. http:/​/​www2.​ufz.​de/​biolflor/​index.​jsp. Zugriff Februar 2014 bis März 2014.

Buttler K. P., May R. & Metzing D. (2018): Liste der Gefäßpflanzen Deutschlands. – BfN-Skripten 519, 286 S.

ENSCONET (2009a): ENSCONET Seed Collecting Manual for wild species. - Studi Trentini die Scienze Naturali 90: 221–248.

ENSCONET (2009b): ENSCONET Curation Protocols and Recommendations. - Studi Trentini die Scienze Naturali 90: 249–289.

Floraweb (2014) FloraWeb – Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands. http://www.floraweb.de/. Zugriff Februar 2014 bis März 2014.

Harley J.L., Harley E.L. (1987) A Check-List of Mycorrhiza in the British Flora. New Phytologist 105: 1–102.

Jäger E.J. (2011) Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 20. Aufl. Spektrum, Heidelberg, Berlin.

Kiffe K., Rückriem C., Bremer G. (1992) Ein Neufund von Carex reichenbachii Bonnet in Westfalen und eine Beitrag zur Abgrenzung der Art gegenüber nächstverwandten Sippen. Floristische Rundbriefe 26: 63–71.

Klemm G. (1989) Carex pseudobrizoides Clavaud in der Niederlausitz. Niederlausitzer Floristische Mitteilungen 13: 23–32.

Ludwig G., Schnittler M. (1996) Rote Liste der Pflanzen Deutschlands (1996). http:/​/​www.​bfn.​de/​fileadmin/​MDB/​documents/​RoteListePflanzen.​pdf. Zugriff am 19.02.2014.

Ludwig G., May R., Otto C. (2007) Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung der Farn- und Blütenpflanzen - vorläufige Liste. BfN-Skripten 220, 2007.

Reimers H. (1940) Über Carex reichenbachii Bonnet. Verhandlungen des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg VBVB 80: 16–20.

Schultze - Motel, W. 1980: Carex. In HEGI, G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa 2(1). Berlin Hamburg.

Thompson, K., Bakker, J. P., Bekker, R. M. (1997) The Soil Seed Banks of North West Europe: Methodology, Density and Longevity. Cambridge University Press, Cambridge, 276 S.

Wang B., Qui Y.-L. (2006) Phylogenetic distribution and evolution of mycorrhizas in land plants. Mycorrhiza 16: 299–363.

Zippel, E. & Stevens, A.D. (2014) Arbeitstechniken der Sammlung und Lagerung von Wildpflanzensamen in Saatgutbanken. IN: Poschlod, P., Borgmann, P., Listl, D., Reisch, C., Zachgo S. & Das Genbank WEL Netzwerk: Handbuch Genbank WEL. Hoppea Denkschriften der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft, Sonderband 2014, S. 71–98.


Quellenangaben der BfN-Prüflisten/Rote Listen

  1. 1,0 1,1 Metzing, D.; Garve, E.; Matzke-Hajek, G.; Adler, J.; Bleeker, W.; Breunig, T.; Caspari, S.; Dunkel, F.G.; Fritsch, R.; Gottschlich, G.; Gregor, T.; Hand, R.; Hauck, M.; Korsch, H.; Meierott, L.; Meyer, N.; Renker, C.; Romahn, K.; Schulz, D.; Täuber, T.; Uhlemann, I.; Welk, E.; Weyer, K. van de; Wörz, A.; Zahlheimer, W.; Zehm, A. & Zimmermann, F. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Farn- und Blütenpflanzen (Trachaeophyta) Deutschlands. – In: Metzing, D.; Hofbauer, N.; Ludwig, G. & Matzke-Hajek, G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 13-358. (Datenquellen: checklisten.rotelistezentrum.de/api/public/1/checklist/43; taxon/39285 – für das Gebiet Deutschland)
  2. 2,0 2,1 BfN (2020): Rekonstruierte Checkliste zu Korneck, D.; Schnittler, M. & Vollmer, I. (1996): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Deutschlands. – In: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Pflanzen Deutschlands. – Bonn (Bundesamt für Naturschutz). – Schriftenreihe für Vegetationskunde 28: 21-187. (Datenquellen: checklisten.rotelistezentrum.de/api/public/1/checklist/251; taxon/316029 – für das Gebiet Deutschland)
  3. 3,0 3,1 Buttler, K. P.; May, R. & Metzing D. (2018): Liste der Gefäßpflanzen Deutschlands. - BfN-Skripten 519, 286 S. (Datenquellen: checklisten.rotelistezentrum.de/api/public/1/checklist/355; taxon/553961 – für das Gebiet Deutschland)

Erarbeitet im Rahmen des Projektes „WIPs-De – Aufbau eines nationalen Verbundes zum Schutz gefährdeter Wildpflanzenarten in besonderer Verantwortung Deutschlands“.

Kennbild Bundesministerium für Umweit, Naturschutz und nukleare SicherheitKennbild Bundesministerium für NaturschutzKennbild botanischer Wildpflanzenschutz Deutschland (WIPs-De)Kennbild Botanischer Garten Berlin, BOKennbild Botanischer Garten, Universität Potsdam (botanischer-garten-potsdam.de)

Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

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