Gagea spathacea: Unterschied zwischen den Versionen

Aus WIPs-De Datenwiki
(erster Übertragungsentwurf aus Worddatei)
 
(+{{WIPs-De Ergebnis hervorheben|…}})
Zeile 28: Zeile 28:
|-
|-
| Umwandlung naturnaher Wälder (FloraWeb 2022)
| Umwandlung naturnaher Wälder (FloraWeb 2022)
| mäßig frische bis sickerfrische Laubmischwälder (Müller et al. 2021); stark anthropogen beeinflusste Standorte werden nicht besiedelt (Peterson et al. 2004); quellige Erlen- und Eschenbruchwälder (WIPs-De)
| mäßig frische bis sickerfrische Laubmischwälder (Müller et al. 2021); stark anthropogen beeinflusste Standorte werden nicht besiedelt (Peterson et al. 2004); {{WIPs-De Ergebnis hervorheben|quellige Erlen- und Eschenbruchwälder}}
| 2 röhrig-hohle Grundblätter, anfangs in der Mitte mit farblosem Mark, stielrund, 0,8–1,5 mm breit, 2 Zwiebeln mit gemeinsamer Hüllhaut, Scheindolden 1–5 blütig, Perigonblätter stumpf, Pflanze 0,10,2 m hoch (Müller et al. 2021); oft teppichartiger Wuchs, kapuzenförmiges Hochblatt (Feder 2011)
| 2 röhrig-hohle Grundblätter, anfangs in der Mitte mit farblosem Mark, stielrund, 0,8–1,5 mm breit, 2 Zwiebeln mit gemeinsamer Hüllhaut, Scheindolden 1–5 blütig, Perigonblätter stumpf, Pflanze 0,10,2 m hoch (Müller et al. 2021); oft teppichartiger Wuchs, kapuzenförmiges Hochblatt (Feder 2011)
|-
|-
Zeile 53: Zeile 53:
| steril, keine Apomixis (Pfeiffer et al. 2011); kein Samenansatz (Schnittler et al. 2009); ausschließlich vegetativ über Bulbillen fortpflanzende Art (Harter 2008)
| steril, keine Apomixis (Pfeiffer et al. 2011); kein Samenansatz (Schnittler et al. 2009); ausschließlich vegetativ über Bulbillen fortpflanzende Art (Harter 2008)
| -
| -
| Ameisenausbreitung (Müller et al. 2021); schlechtes Ausbreitungsvermögen (Diekmann et al. 2014); vegetative Ausbreitung durch Bulbillen (WIPs-De)
| Ameisenausbreitung (Müller et al. 2021); schlechtes Ausbreitungsvermögen (Diekmann et al. 2014); {{WIPs-De Ergebnis hervorheben|vegetative Ausbreitung durch Bulbillen}}
|-
|-
! colspan="3"| Kulturansprüche
! colspan="3"| Kulturansprüche
Zeile 63: Zeile 63:
| im Wachstum reichlich gießen, in Ruhephase lediglich feucht halten, gut drainierter Boden[[#fusznote_sternchen|*]] (Brickell 2000)
| im Wachstum reichlich gießen, in Ruhephase lediglich feucht halten, gut drainierter Boden[[#fusznote_sternchen|*]] (Brickell 2000)
| mäßig bis gut basenversorgt (Feder 2011); pH-Wert zwischen 4 und 5,6 (Diekmann et al. 2014)
| mäßig bis gut basenversorgt (Feder 2011); pH-Wert zwischen 4 und 5,6 (Diekmann et al. 2014)
| lehmige, sandig-lehmige Böden (Feder 2011); Lehm mit Lauberde (WIPs-De)
| lehmige, sandig-lehmige Böden (Feder 2011); {{WIPs-De Ergebnis hervorheben|Lehm mit Lauberde}}
|-
|-
! Lichtbedarf
! Lichtbedarf
Zeile 69: Zeile 69:
! Temperaturansprüche
! Temperaturansprüche
|-
|-
| sonnig oder unter laubabwerfenden Gehölzen[[#fusznote_sternchen|*]] (Jelitto 1990); vollsonnig (WIPs-De)
| sonnig oder unter laubabwerfenden Gehölzen[[#fusznote_sternchen|*]] (Jelitto 1990); {{WIPs-De Ergebnis hervorheben|vollsonnig}}
| nährstoffreicher, humoser Boden (Oberdorfer 1990)
| nährstoffreicher, humoser Boden (Oberdorfer 1990)
| voll frosthart bis bedingt frosthart[[#fusznote_sternchen|*]] (Brickell 2000)
| voll frosthart bis bedingt frosthart[[#fusznote_sternchen|*]] (Brickell 2000)
Zeile 86: Zeile 86:
|-
|-
| unbekannt
| unbekannt
| Dormanz unbekannt; vorübergehende Samenbank (Thompson et al. 1997); Angaben fraglich, da kein Samenansatz (WIPs-De)
| Dormanz unbekannt; vorübergehende Samenbank (Thompson et al. 1997); {{WIPs-De Ergebnis hervorheben|Angaben fraglich, da kein Samenansatz}}
| häufig in der Gattung, für ''G. spathacea'' bisher nicht dokumentiert (Pfeiffer et al. 2011)
| häufig in der Gattung, für ''G. spathacea'' bisher nicht dokumentiert (Pfeiffer et al. 2011)
|-
|-

Version vom 22. August 2024, 14:17 Uhr

Kennbild Leben Natur Vielfalt – Das Bundesprogramm (BMUV)

Steckbrief: Gagea spathacea (Hayne) Salisb. – Scheiden-Gelbstern (Liliaceae)

Weitere Angaben aus Abfragen der Roten Listen (BfN-Prüflisten) …

  • Artname: Gagea spathacea (Hayne) Salisb. (Bearbeitungsstand: gültig, zum 6.6.2024)

Quellenangaben: siehe Metzing et al. (2018, S.13-358) Daten aus: Farn- und Blütenpflanzen 2009ff, Datenquelle: https://checklisten.rotelistezentrum.de/api/public/1/checklist/43, https://checklisten.rotelistezentrum.de/api/public/1/taxon/36324

Biologie und Ökologie
Gefährdung Verantwortung Verbreitung in Deutschland
gefährdet (Metzing et al. 2018) besonders hohe Verantwortlichkeit (Metzing et al. 2018) MV, Rh, NRW, TH, Sa, An, Ns, SH, BY, BW, HE, BB (Müller et al. 2021)
Gefährdungsursachen Standort Beschreibung
Umwandlung naturnaher Wälder (FloraWeb 2022) mäßig frische bis sickerfrische Laubmischwälder (Müller et al. 2021); stark anthropogen beeinflusste Standorte werden nicht besiedelt (Peterson et al. 2004); quellige Erlen- und Eschenbruchwälder (WIPs-De) 2 röhrig-hohle Grundblätter, anfangs in der Mitte mit farblosem Mark, stielrund, 0,8–1,5 mm breit, 2 Zwiebeln mit gemeinsamer Hüllhaut, Scheindolden 1–5 blütig, Perigonblätter stumpf, Pflanze 0,10,2 m hoch (Müller et al. 2021); oft teppichartiger Wuchs, kapuzenförmiges Hochblatt (Feder 2011)
Lebensform Lebensdauer Mykorrhizierung
Geophyt (Müller et al. 2021) ausdauernd (Müller et al. 2021) unbekannt
Blütezeit Bestäubung Kompatibilität
Mitte April-Anfang Mai, 1 von 1000 Blüten blüht (Pfeiffer et al. 2012); Anfang April, im Elbe-Wesergebiet häufiger in Blüte (Feder 2011) Insekten (FloraWeb 2022); unspezifisch (Pfeiffer et al. 2011) unbekannt
Frucht und Samen Samenanzahl- und Gewicht Samenreife und Ausbreitung
steril, keine Apomixis (Pfeiffer et al. 2011); kein Samenansatz (Schnittler et al. 2009); ausschließlich vegetativ über Bulbillen fortpflanzende Art (Harter 2008) - Ameisenausbreitung (Müller et al. 2021); schlechtes Ausbreitungsvermögen (Diekmann et al. 2014); vegetative Ausbreitung durch Bulbillen (WIPs-De)
Kulturansprüche
Wasserbedarf pH-Spezifität Substratspezifität
im Wachstum reichlich gießen, in Ruhephase lediglich feucht halten, gut drainierter Boden* (Brickell 2000) mäßig bis gut basenversorgt (Feder 2011); pH-Wert zwischen 4 und 5,6 (Diekmann et al. 2014) lehmige, sandig-lehmige Böden (Feder 2011); Lehm mit Lauberde (WIPs-De)
Lichtbedarf Nährstoffbedarf Temperaturansprüche
sonnig oder unter laubabwerfenden Gehölzen* (Jelitto 1990); vollsonnig (WIPs-De) nährstoffreicher, humoser Boden (Oberdorfer 1990) voll frosthart bis bedingt frosthart* (Brickell 2000)
Vermehrung Keimungsansprüche Keimungsdauer
Zwiebeln während Ruhephase abtrennen und Brutzwiebeln nach Blüte topfen, Zwiebeln 3,5 cm tief pflanzen* (Brickell 2000) unbekannt, da kein Samenansatz unbekannt
Schädlinge Dormanz und Samenlebensdauer Hybridisierung
unbekannt Dormanz unbekannt; vorübergehende Samenbank (Thompson et al. 1997); Angaben fraglich, da kein Samenansatz (WIPs-De) häufig in der Gattung, für G. spathacea bisher nicht dokumentiert (Pfeiffer et al. 2011)
* Angabe bezieht sich auf die Gattung
Sonstiges
Die Art hat eine außergewöhnlich hohe Chromosomenzahl und ist wahrscheinlich hybridogenen Ursprungs (Mesícek & Hrouda 1974). In Zentraleuropa handelt es sich wohl um einen einzigen Klon (Pfeiffer et al. 2012)
Abbildung Verbreitungskarte Deutschland
Habitus von Gagea spathacea
(Quelle: NetPhyD, BfN 2013)
(Quelle: NetPhyD, BfN 2013)
Zitatvorschlag: Lauterbach D., Weißbach S., Borgmann P., Daumann J., Kuppinger A.-L., Listl D., Martens A., Nick P., Oevermann S., Poschlod P., Radkowitsch A., Reisch C., Stevens A.-D., Straubinger C., Zachgo S., Zippel E., Burkart M., Plank A. (2024) Steckbrief Gagea spathacea; erstellt 2015, zuletzt bearbeitet 22.08.2024. – Netzwerk zum Schutz gefährdeter Wildpflanzen in besonderer Verantwortung Deutschlands (WIPs-De), http://www.wildpflanzenschutz.de/, https://wiki.bgbm.org/wips-daten/index.php/Gagea_spathacea.
Literatur

Brickell C. (2000) DuMont´s Große Pflanzen-Enzyklopädie. The Royal Horticultural Society, DuMont Buchverlag, Köln.

Diekmann M., Härdtle W., Stoltenberg K. (2014) Verbreitung und Ökologie des Scheiden-Gelbsterns (Gagea spathacea). Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen 47(2): 355-365.

Feder J. (2011) Der Scheiden-Gelbstern Gagea spathacea im Weser-Elbe-Gebiet. Bremer Botanische Briefe 10: 2-7.

FloraWeb (2022) FloraWeb – Daten und Informationen zu Wildpflanzen und zur Vegetation Deutschlands. http://www.FloraWeb.de/. Zugriff Dezember 2022.

Harter D. (2008) Artevolution und Reproduktionsbiologie der Gattung Gagea SALISB. (Liliaceae) in Mecklenburg-Vorpommern. Diplomarbeit im Studiengang Biologie der Freien Universität zu Berlin.

Jelitto L. (1990) Die Freiland-Schmuckstauden. Handbuch und Lexikon der winterharten Gartenstauden. Ulmer, Stuttgart.

Mesícek J., Hrouda L. (1974) Chromosome numbers in Czechoslovak species of Gagea (Liliaceae). Folia Geobotanica 9: 359-368.

Metzing D., Hofbauer N., Ludwig G., Matzke-Hajek G. (2018) Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 784 S.

Metzing D., Garve E., Matzke-Hajek G., Adler J., Bleeker W., Breunig T., Caspari S., Dunkel F.G., Fritsch R., Gottschlich G., Gregor T., Hand R., Hauck M., Korsch H., Meierott L., Meyer N., Renker C., Romahn K., Schulz D., Täuber T., Uhlemann I., Welk E., Weyer K. van de, Wörz A., Zahlheimer W., Zehm A. & Zimmermann F. (2018): Rote Liste und Gesamtartenliste der Farn- und Blütenpflanzen (Trachaeophyta) Deutschlands. – In: Metzing D., Hofbauer N., Ludwig G. & Matzke-Hajek G. (Red.): Rote Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands. Band 7: Pflanzen. – Münster (Landwirtschaftsverlag). – Naturschutz und Biologische Vielfalt 70 (7): 13-358.

Müller F., Ritz C. M., Welk E., Wesche K. (Hrsg.) (2021) Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. 22. Aufl. Spektrum, Heidelberg, Berlin, 959 S.

Netzwerk Phytodiversität Deutschlands e.V. (NetPhyD) und Bundesamt für Naturschutz (BfN) (Hrgs.) (2013) Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Landwirtschaftsverlag, Münster.

Oberdorfer E. (1990) Pflanzensoziologische Exkursionsflora. Ulmer, Stuttgart.

Peterson A., John H., Koch E., Peterson J. (2004) A molecular phylogeny of the genus Gagea (Liliaceae) in Germany inferred from non-coding chloroplast and nuclear DNA sequences. Plant Systematics and Evolution 245: 145-162.

Pfeiffer T., Klahr A., Heinrich A., Schnittler M. (2011) Does sex make a difference? Genetic diversity and spatial genetic structure in two co-occurring species of Gagea (Liliaceae) with contrasting reproductive strategies. Plant Systematics and Evolution 292: 189-201.

Pfeiffer T., Klahr A., Peterson A., Levichev I. G., Schnittle, M. (2012) No sex at all? Extremely low genetic diversity in Gagea spathacea (Liliaceae) across Europe. Flora 207: 372-378.

Schnittler M., Pfeiffer T., Harter D., Hamann A. (2009) Bulbils contra seeds: reproductive investment in two species of Gagea (Liliaceae). Plant Systematic and Evolution 279: 29–40.

Thompson, K., Bakker, J. P., Bekker, R. M. (1997) The Soil Seed Banks of North West Europe: Methodology, Density and Longevity. Cambridge University Press, Cambridge.

WIPs-De Beobachtungen aus dem Projekt Wildpflanzenschutz Deutschland, Projektlaufzeit 2018-2023.

Erarbeitet im Rahmen des Projektes „WIPs-De – Aufbau eines nationalen Verbundes zum Schutz gefährdeter Wildpflanzenarten in besonderer Verantwortung Deutschlands“.

Kennbild Bundesministerium für Umweit, Naturschutz und nukleare SicherheitKennbild Bundesministerium für NaturschutzKennbild botanischer Wildpflanzenschutz Deutschland (WIPs-De)Kennbild Botanischer Garten, Universität Potsdam (botanischer-garten-potsdam.de)

Gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.